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Einfluss der politischen Entwicklung Chinas auf die Reform staatseigener Unternehmen und den Wettbewerb ausländischer Unternehmen

Einleitung: Ein Spannungsfeld voller Chancen

Sehr geehrte Investoren und geschätzte Leser, mein Name ist Liu, und ich blicke auf über 26 Jahre praktische Erfahrung im chinesischen Markt zurück – 12 Jahre in der Betreuung internationaler Unternehmen bei der Jiaxi Steuerberatungsfirma und 14 Jahre in der handfesten Registrierungs- und Verwaltungsarbeit. In dieser Zeit habe ich miterlebt, wie politische Richtungswechsel in Peking nicht nur Schlagzeilen machten, sondern konkrete Geschäftsrealitäten von Shanghai bis Shenzhen prägten. Das Thema, das wir heute beleuchten – der Einfluss der politischen Entwicklung Chinas auf die Reform der staatseigenen Unternehmen (SOEs) und den Wettbewerb ausländischer Firmen – ist kein trockenes Lehrbuchkapitel. Es ist das tägliche Brot für jeden, der hier investiert oder operiert. Die Dynamik ist faszinierend: Einerseits treibt die Regierung die Modernisierung ihrer wirtschaftlichen Champions, der SOEs, mit Nachdruck voran. Andererseits öffnet und reguliert sie gleichzeitig Märkte für ausländisches Kapital. Für internationale Investoren stellt sich die zentrale Frage: Schafft diese politische Entwicklung ein faireres Spielfeld oder werden die heimischen Giganten lediglich fitter gemacht, um die ausländische Konkurrenz noch effektiver zu bezwingen? Dieser Artikel taucht tief in diese komplexe Wechselwirkung ein und bietet Ihnen eine praxisnahe Analyse, gespeist aus jahrzehntelanger Beobachtung am Puls des Geschehens.

SOE-Reform: Vom Riesen zum Champion

Die Reform der staatseigenen Unternehmen ist ein Herzstück der chinesischen Wirtschaftspolitik. Es geht längst nicht mehr nur um Rettung vor der Pleite, wie in den 90er Jahren, sondern um strategische Aufwertung. Das politische Ziel ist klar: SOEs sollen in Schlüsselindustrien wie Energie, Telekommunikation und Schwerindustrie globale, wettbewerbsfähige Champions werden, die technologische Souveränität und nationale Versorgungssicherheit garantieren. Dies geschieht durch massive Konsolidierungen – denken Sie an die Fusionen im Schiffsbau- oder Stahlsektor – und die Einführung moderner Corporate-Governance-Strukturen, in die auch privates Kapital eingebracht werden darf. In meiner Arbeit sehe ich die Auswirkungen direkt. Ein europäischer Zulieferer für Hochpräzisionskomponenten berichtete mir, wie sein langjähriger SOE-Partner nach einer solchen Reform plötzlich viel professioneller in der Auftragsabwicklung, aber auch deutlich anspruchsvoller und kostensensibler in den Verhandlungen wurde. Der "Beziehungsfaktor" trat etwas in den Hintergrund, während Kenntnisse in internationalen Vertragsstandards und Effizienzkennzahlen in den Vordergrund rückten. Das ist ein zweischneidiges Schwert für ausländische Firmen: Der Partner wird verlässlicher, aber der Wettbewerb um dessen Aufträge wird härter und sachlicher.

Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis: Ein deutscher Maschinenbauer wollte ein Joint Venture mit einem regionalen SOE in der Provinz Jiangsu eingehen. Vor fünf Jahren wäre der Prozess stark von lokalen Beamten und informellen Absprachen geprägt gewesen. Das Projekt, das ich 2022 begleitete, lief dagegen erstaunlich transparent nach einem standardisierten Bieter- und Due-Diligence-Verfahren ab, das vom zuständigen SASAC (State-owned Assets Supervision and Administration Commission) vorgegeben wurde. Allerdings waren die Anforderungen an Technologietransfer und lokale Wertschöpfung im Vertragsentwurf messerscharf und detaillierter denn je. Die politische Vorgabe, "Kerntechnologien" zu kontrollieren, war unübersehbar in die kommerziellen Bedingungen eingeflossen. Für den Investor bedeutete dies eine schwierige Abwägung zwischen Marktzugang und dem Schutz des geistigen Eigentums.

Marktzugang: Die Tür steht ajar

Die politische Rhetorik der "Dual Circulation" und der weiteren Öffnung ist real und hat konkrete Folgen. Die Negativlisten für ausländische Investitionen werden kontinuierlich gekürzt, was formell den Zugang zu immer mehr Sektoren wie Finanzdienstleistungen oder Automobilherstellung ermöglicht. In der Theorie also gute Nachrichten. Die Praxis, die ich täglich erlebe, ist jedoch nuancierter. Die Tür steht offen, aber der Flur dahinter ist mit neuen regulatorischen Hürden gepflastert. Nehmen wir den Finanzsektor: Ausländische Banken dürfen nun 100% ihrer lokalen Tochtergesellschaften halten. Das klingt perfekt. Doch gleichzeitig wurden Datenlokalisierungsgesetze, Cybersicherheitsüberprüfungen und komplexe Compliance-Anforderungen für Finanzdaten massiv verschärft. Für eine europäische Bank bedeutet dies enorme Investitionen in lokale IT-Infrastruktur und juristischen Beratungsaufwand, bevor der erste Kredit vergeben wird. Der Wettbewerbsvorteil der globalen Vernetzung und Datenanalyse wird dadurch erheblich beschnitten. Die politische Entwicklung schafft also einen regulierten Marktzugang, der Chancen bietet, aber die Spielregeln so setzt, dass heimische Player, die diese Regeln von Grund auf kennen (oder mitgestalten), oft im Vorteil sind.

Subventionen und "National Champions"

Dies ist einer der heikelsten Punkte für ausländische Wettbewerber. Die politisch gesteuerte Förderung von "National Champions" in Zukunftsbranchen wie Halbleitern, Elektrofahrzeugen (EV) oder künstlicher Intelligenz verzerrt den Wettbewerb massiv. Diese Unterstützung erfolgt nicht nur durch direkte Geldspritzen, sondern auch durch bevorzugte öffentliche Aufträge, günstige Kredite von staatlichen Banken und steuerliche Anreize. Ein von mir betreutes mittelständisches deutsches Unternehmen im Bereich Spezialmaschinenbau für die EV-Batterieproduktion kämpfte in einer Ausschreibung eines großen chinesischen Batterieherstellers (der selbst stark subventioniert wird) gegen einen lokalen Konkurrenten. Unser Kunde hatte die technisch überlegene Lösung. Der lokale Anbieter konnte jedoch dank staatlicher Forschungsförderung einen um 30% niedrigeren Preis anbieten. Das Projekt ging verloren. Solche Erfahrungen sind keine Einzelfälle. Die politische Entscheidung, bestimmte Industrien um jeden Preis aufzubauen, schafft einen ungleichen Wettbewerb, bei dem Marktmechanismen zweitrangig werden. Für ausländische Investoren bedeutet dies: In diesen hochsubventionierten Sektoren ist der Eintritt extrem riskant, es sei denn, man bringt unverzichtbare Spitzentechnologie mit, auf die auch der Staat angewiesen ist.

Regulatorische Gleichbehandlung?

Oberflächlich betrachtet, werden viele Gesetze und Vorschriften heute neutral formuliert. Die Umsetzung in der Praxis zeigt jedoch oft eine zweierlei Maß. Ein klassisches Beispiel sind Umwelt- oder Arbeitssicherheitsinspektionen. In meiner langjährigen Tätigung habe ich oft miterlebt, wie bei einem ausländischen Unternehmen penibel jedes Dokument geprüft und kleinste Abweichungen beanstandet wurden, während ein benachbartes SOE mit ähnlichen Verstößen weitgehend unbehelligt blieb. Dies liegt weniger an expliziter Diskriminierung in den Gesetzestexten, sondern am vollzugsorientierten Charakter der Verwaltung. Lokale Behörden haben oft politische Vorgaben, "ihre" SOEs zu schützen, da diese für lokale Beschäftigung und Steuereinnahmen zentral sind. Ein weiterer Punkt ist der Zugang zu Finanzierung. SOEs haben quasi automatisch Zugang zu günstigen Krediten der staatlichen Banken, ein Privileg, das selbst gut dastehenden ausländischen Tochtergesellschaften meist verwehrt bleibt. Sie sind auf teurere kommerzielle Kredite oder Kapital von der Muttergesellschaft angewiesen. Diese implizite Ungleichbehandlung im regulatorischen Alltag ist eine der größten Herausforderungen für ein level playing field.

Technologie-Transfer und IP-Druck

Die politische Entwicklung hat den Fokus klar auf technologische Unabhängigkeit und Innovation gelegt. Dies hat direkte Auswirkungen auf Joint Ventures und Kooperationen. Der Druck, Technologie zu transferieren, um Marktzugang zu erhalten, ist zwar weniger plump als früher, aber struktureller und raffinierter geworden. Er steckt heute in den Details von "Innovationspartnerschaften", in den Anforderungen für Zertifizierungen oder in den Kriterien für den Genuss von Steuervergünstigungen. Ein persönliches Erlebnis: Ein österreichischer Anlagenbauer für die Kunststoffindustrie wollte eine Fabrik in China erweitern, um von niedrigeren Zöllen im Rahmen von ASEAN-Abkommen zu profitieren. Die Genehmigung der lokalen Behörde war an die Bedingung geknüpft, ein gemeinsames Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einer lokalen Universität einzurichten, dessen Ergebnisse gemeinsam genutzt werden sollten. Das war der Preis für die Genehmigung. Die politische Linie, Wissenstransfer zu forcieren, ist hier klar erkennbar. Für ausländische Unternehmen wird es zur ständigen Gratwanderung, zwischen Kooperation zum gegenseitigen Vorteil und dem Schutz der eigenen Kern-Know-how zu navigieren.

Lokalisierung als Schlüsselstrategie

Angesichts der beschriebenen Dynamik ist eine tiefe Lokalisierung keine Option mehr, sondern eine Überlebensnotwendigkeit. Damit meine ich nicht nur die Produktion vor Ort, sondern die komplette Integration in die lokalen Ökosysteme. Dazu gehört die Einstellung lokaler Führungskräfte mit politischem und regulatorischem Verständnis, Partnerschaften mit privaten chinesischen Unternehmen (die oft agiler sind als SOEs) und die Anpassung von Produkten und Services an spezifisch chinesische Standards. Ein erfolgreiches Beispiel aus meinem Kundenstamm ist ein französischer Konsumgüterkonzern. Statt sich nur auf den Vertrieb über große, staatlich beeinflusste Handelsketten zu verlassen, baute das Unternehmen ein eigenes, digitales Ökosystem mit lokalen Social-Media-Plattformen und Logistikpartnern auf. So umging es teilweise die traditionellen, von SOEs dominierten Kanäle und schuf eine direktere Kundenbeziehung. Die politische Betonung der "innovationsgetriebenen Entwicklung" belohnt solche agilen, lokal verwurzelten Ansätze. Ausländische Unternehmen, die bereit sind, ihr "ausländisches" Image abzulegen und sich als integraler Bestandteil der chinesischen Wirtschaft zu positionieren, können auch im Schatten der SOE-Reformen erfolgreich sein.

Einfluss der politischen Entwicklung Chinas auf die Reform staatseigener Unternehmen und den Wettbewerb ausländischer Unternehmen

Geopolitische Spannungen als Risikofaktor

Last but not least muss die innenpolitische Entwicklung Chinas im Kontext geopolitischer Spannungen gesehen werden. Handelskonflikte, Technologie-Embargos und sicherheitspolitische Debatten in den USA und Europa beeinflussen direkt die Wettbewerbsbedingungen vor Ort. Die chinesische Politik reagiert darauf mit einer noch stärkeren Betonung der Selbstversorgung ("Dual Circulation"). Das führt zu einer beschleunigten Förderung einheimischer Alternativen zu ausländischer Technologie. Für ein europäisches Unternehmen in der Halbleiterindustrie bedeutet dies, dass seine Kunden, auch SOEs, plötzlich unter politischem Druck stehen, nach lokalen Lieferanten zu suchen, selbst wenn deren Produkte leistungsschwächer sind. Das Geschäftsrisiko verschiebt sich so von rein marktwirtschaftlichen Faktoren hin zu schwer kalkulierbaren außenpolitischen Erwägungen. In meiner Beratungstätigkeit muss ich heute viel häufiger Szenarien durchspielen, die von Exportkontrollen oder Sanktionen ausgehen – ein Thema, das vor zehn Jahren kaum auf der Agenda stand.

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Einfluss der politischen Entwicklung Chinas auf die SOE-Reform und den ausländischen Wettbewerb ist allgegenwärtig, vielschichtig und gestaltet das operative Umfeld fundamental. Die Reformen machen SOEs zu effizienteren und mächtigeren Konkurrenten, während die Marktöffnung oft von neuen Regulierungen begleitet wird. Fairer Wettbewerb im westlichen Sinne ist nicht das primäre Ziel; das Ziel ist die Stärkung der nationalen Wirtschaftskraft und technologischen Souveränität. Für ausländische Investoren ergeben sich daraus klare Implikationen: Eine naive "Business as usual"-Haltung ist zum Scheitern verurteilt. Erfolg erfordert ein tiefes Verständnis der politischen Prioritäten, eine strategische, langfristige Ausrichtung, eine ausgeprägte Risikoresilienz und die Bereitschaft zur tiefen Lokalisierung. Die Zukunft wird wahrscheinlich noch mehr Sektoren sehen, in denen SOEs und private nationale Champions den Ton angeben, während ausländische Unternehmen in Nischen mit unverzichtbarer Technologie oder in Dienstleistungsbereichen mit hohem Know-how-Bedarf brillieren können. Meine persönliche Einsicht nach all den Jahren: Der chinesische Markt bleibt riesig und attraktiv, aber das Spiel hat sich verändert. Es ist weniger ein freies Fußballspiel und mehr ein strategisches Brettspiel mit sehr spezifischen Regeln. Wer diese Regeln studiert und geschickt mitspielt, kann nach wie vor gewinnen.

Einschätzung der Jiaxi Steuerberatung

Aus der Perspektive von Jiaxi Steuerberatung, mit unserer langjährigen Frontline-Erfahrung in der Begleitung internationaler Unternehmen, sehen wir die beschriebene politisch-wirtschaftliche Dynamik als die zentrale Rahmenbedingung für jede Investitions- und Betriebsentscheidung in China. Die Reform der SOEs und die sich wandelnden Wettbewerbsbedingungen sind keine abstrakten Konzepte, sondern schlagen sich unmittelbar in steuerlichen Behandlungspraktiken, Transfer-Preismodellen, der Bewertung von Joint-Venture-Beiträgen und der Compliance gegenüber immer komplexeren regulatorischen Vorgaben nieder. Wir beobachten, dass erfolgreiche ausländische Unternehmen zunehmend einen hybriden Ansatz verfolgen: Sie nutzen die formelle Marktöffnung, strukturieren ihre Präsenz aber so agil und lokal integriert, dass sie sowohl von Förderpolitiken (z.B. für High-Tech-Unternehmen) profitieren als auch den impliziten Nachteilen im Wettbewerb mit SOEs begegnen können. Eine Schlüsselempfehlung an unsere Mandanten ist es, die politischen Leitlinien nicht nur als Risiko, sondern aktiv als strategischen Kompass zu nutzen – etwa indem Geschäftsmodelle auf Bereiche wie grüne Technologie, alternde Gesellschaft oder digitale Transformation ausgerichtet werden, die ganz oben auf der politischen Agenda Pekings stehen. Die professionelle Navigation in diesem Umfeld erfordert mehr denn je eine Kombination aus rechtlich-steuerlicher Expertise und einem feinen Gespür für die polit-ökonomischen Realitäten vor Ort. Genau hier setzt unsere Beratung an.