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Analyse der jüngsten Fortschritte im chinesischen Recht zum Schutz geistigen Eigentums ausländischer Unternehmen

# Analyse der jüngsten Fortschritte im chinesischen Recht zum Schutz geistigen Eigentums ausländischer Unternehmen

Für internationale Investoren, die mit dem chinesischen Markt liebäugeln oder bereits dort aktiv sind, war das Thema Schutz des Geistigen Eigentums (IP) lange Zeit eine der größten Baustellen und Sorgenquellen. Die Geschichten von Produktpiraterie, Markenklau und langwierigen, unsicheren Rechtsstreiten haben viele Unternehmen abgeschreckt oder zu kreativen, aber umständlichen Schutzstrategien gezwungen. In meinen über 14 Jahren in der Registrierungsabwicklung und 12 Jahren in der Beratung ausländischer Unternehmen bei Jiaxi habe ich diese Ängste und Herausforderungen aus erster Hand miterlebt. Doch die Landschaft verändert sich – und zwar grundlegend. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine detaillierte Analyse der jüngsten, bemerkenswerten Fortschritte im chinesischen IP-Recht. Wir schauen hinter die Schlagzeilen und untersuchen, welche konkreten Neuerungen in Gesetzgebung und Praxis ausländischen Unternehmen heute mehr Sicherheit und effektive Durchsetzungsmöglichkeiten bieten als je zuvor. Es geht nicht um Schönfärberei, sondern um eine nüchterne Bestandsaufnahme der neuen Werkzeuge, die Ihnen zur Verfügung stehen.

Strafrechtliche Verschärfung und abschreckende Wirkung

Einer der bedeutendsten Hebel, den der Gesetzgeber in den letzten Jahren in Bewegung gesetzt hat, ist die deutliche Verschärfung der strafrechtlichen Haftung für IP-Verstöße. Die Änderungen des Strafgesetzbuches und verwandter judizieller Interpretationen haben die Schwelle für eine strafrechtliche Verfolgung gesenkt und die möglichen Strafen erhöht. Früher musste man oft nachweisen, dass der Schaden einen sehr hohen Betrag erreicht hatte, was in der Praxis schwierig war. Heute können bereits niedrigere Schadenssummen oder auch die bloße Tatsache des Besitzes einer großen Menge gefälschter Ware mit der Absicht des Verkaufs zu ernsthaften Konsequenzen führen. Das signalisiert einen klaren Paradigmenwechsel: IP-Verletzungen werden nicht mehr primär als zivilrechtliches Ärgernis, sondern als Wirtschaftskriminalität behandelt, die dem Staat und der Innovationskraft schadet.

In der Praxis erlebe ich, wie diese Verschärfung wirkt. Ein Klient aus der Medizintechnik-Branche hatte jahrelang mit gefälschten Ersatzteilen zu kämpfen, die seine Marke beschädigten und Sicherheitsrisiken darstellten. Vor einigen Jahren endeten Anzeigen oft in Sackgassen oder führten nur zu geringfügigen Geldstrafen für die Fälscher. Nach einer gezielten Kampagne unter Nutzung der neuen strafrechtlichen Möglichkeiten konnte die lokale Staatsanwaltschaft zur Anklageerhebung bewegt werden. Der Fall führte zu einer Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe, die in der regionalen Branche Wellen schlug und ähnliche Aktivitäten vorübergehend deutlich reduzierte. Die abschreckende Wirkung solcher Urteile ist ein game-changer, auch wenn die Umsetzung regional noch variieren kann.

Für uns als Berater bedeutet das, unsere Strategie anzupassen. Wir raten unseren Klienten heute viel proaktiver dazu, Beweise nicht nur für zivilrechtliche, sondern explizit auch für strafrechtlich relevante Tatbestände zu sammeln. Die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden – von der Public Security Bureau (PSB) bis zur Staatsanwaltschaft – ist zu einem viel wichtigeren Bestandteil eines umfassenden IP-Schutzplans geworden. Es geht darum, den Hebel des Staates für die eigenen Interessen zu nutzen, was früher oft als aussichtslos galt.

Spezialisierte IP-Gerichte und Richter

Die Einrichtung spezialisierter IP-Gerichte in Schlüsselstädten wie Beijing, Shanghai und Guangzhou sowie die Gründung des Nationalen Obergerichts für Geistiges Eigentum sind ein struktureller Meilenstein. Diese Gerichte konzentrieren Expertise. Die Richter dort verhandeln täglich komplexe Patent-, Urheberrechts- und Markenstreitigkeiten und entwickeln so eine tiefgehende Sachkenntnis, die bei allgemeinen Zivilgerichten früher oft fehlte. Das führt zu konsistenteren, vorhersehbareren und oft auch schnelleren Urteilen. Für ausländische Unternehmen bedeutet dies eine enorme Steigerung der Verfahrensqualität und -effizienz.

Ich erinnere mich an einen Fall vor einigen Jahren, bei dem es um die technische Äquivalenz eines Patents in der Chemieindustrie ging. Das Verfahren zog sich vor einem normalen Mittelsgericht hin, die Richter schienen mit der Materie überfordert und beriefen sich auf Gutachten, deren Erstellung Monate dauerte. Ein ähnlich gelagerter Fall wurde kürzlich vor einem spezialisierten IP-Gericht verhandelt. Der Richter stellte präzise, fachkundige Fragen, verstand die Kernpunkte des Streits schnell und das Verfahren war deutlich straffer. Das Urteil war technisch fundiert und gut begründet. Diese Professionalisierung senkt das Prozessrisiko und macht China als Forum für die Durchsetzung von IP-Rechten ernsthaft attraktiver.

Ein entscheidender Punkt ist hier die zunehmende Transparenz. Viele Urteile dieser spezialisierten Gerichte werden online veröffentlicht, was die Rechtsfortbildung fördert und es Unternehmen und Beratern wie uns ermöglicht, Rechtsprechungstrends zu analysieren. Diese Vorhersehbarkeit ist für Investitions- und Geschäftsentscheidungen von unschätzbarem Wert. Wir nutzen diese Datenbanken regelmäßig, um für unsere Klienten Erfolgsaussichten einzuschätzen und Argumentationsstrategien zu entwickeln.

Erhöhte Schadensersatzsummen und entgangener Gewinn

Lange Zeit war der sprichwörtliche "Fliegenschiss" – also lächerlich niedrige Schadensersatzzahlungen – die größte Frustration für Rechteinhaber. Ein gewonnener Prozess brachte moralische Genugtuung, aber finanziell deckte die Entschädigung oft nicht einmal die Anwaltskosten. Dies hat sich grundlegend geändert. Die Gerichte sind heute durch Gesetze und Richtlinien ausdrücklich ermutigt, Schadensersatz in einer Höhe zuzusprechen, die abschreckend wirkt und den tatsächlichen Wert des IP widerspiegelt.

Die Berechnungsmethoden wurden erweitert. Neben den nachgewiesenen direkten Verlusten des Rechteinhabers können nun auch der Gewinn des Rechtsverletzers, angemessene Lizenzgebühren für eine hypothetische Nutzungserlaubnis und sogar pauschale Entschädigungen bei schwieriger Beweislage herangezogen werden. In spektakulären Fällen, insbesondere bei vorsätzlichen und schwerwiegenden Verstößen, sehen die Gesetze nun auch Strafschadensersatz vor, der das Zwei- oder Dreifache des eigentlichen Schadens betragen kann. Diese Möglichkeit sendet ein klares Signal.

In der Praxis bedeutet das für unsere Beratung einen strategischen Shift. Wir legen heute viel mehr Wert auf die forensische Dokumentation von Schäden und die Berechnung von entgangenen Gewinnen schon in der Vorbereitungsphase einer Klage. Es reicht nicht mehr, nur die Rechtsverletzung nachzuweisen; man muss dem Gericht auch ein klares, überzeugendes Bild des finanziellen Ausmaßes liefern. Ein Klient aus der Konsumgüterbranche erhielt kürzlich in einem Markenrechtsstreit eine Entschädigung, die seine gesamten Rechts- und Ermittlungskosten deckte und einen deutlichen Gewinn erzielte – ein Ergebnis, das vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre. Solche Präzedenzfälle erhöhen die Bereitschaft, seine Rechte auch gerichtlich durchzusetzen, erheblich.

Verschärfte Online-Plattform-Haftung

Im digitalen Zeitalter finden die meisten IP-Verletzungen online statt. Die Regulierung hat hier massiv nachgezogen. Das E-Commerce-Gesetz und andere Regelungen machen Online-Plattformen wie Alibaba, JD.com oder Pinduoduo für wiederholte IP-Verletzungen in ihren Shops mitverantwortlich, wenn sie nicht proaktiv Maßnahmen ergreifen. Sie müssen effektive Melde- und Abhilfemechanismen ("Notice-and-Takedown") einrichten und bei Kenntnis von Rechtsverletzungen diese umgehend unterbinden. Tun sie das nicht, haften sie gemeinsam mit dem eigentlichen Verkäufer.

Das eröffnet ausländischen Unternehmen einen sehr effizienten Hebel. Statt gegen tausende einzelne, oft schwer ausfindig zu machende Händler vorzugehen, kann der Druck auf die Plattform ausgeübt werden. In meiner Arbeit haben wir für mehrere Klienten systematische Überwachungsprogramme aufgesetzt. Werden Fälschungen gefunden, schicken wir nicht nur eine Standard-Abmahnung an den Händler, sondern nutzen die offiziellen IP-Beschwerdeportale der Plattformen, die aufgrund der gesetzlichen Haftung sehr schnell reagieren müssen. Die "Good Faith"-Meldesysteme etablierter Rechteinhaber werden von den Plattformen priorisiert behandelt.

Analyse der jüngsten Fortschritte im chinesischen Recht zum Schutz geistigen Eigentums ausländischer Unternehmen

Ein praktisches Beispiel: Ein Hersteller von hochwertigem Outdoor-Equipment hatte massive Probleme mit Fälschungen auf mehreren großen Plattformen. Durch die strukturierte Nutzung der Plattform-Beschwerdesysteme in Kombination mit der Androhung, deren Haftung nach dem E-Commerce-Gesetz geltend zu machen, konnten wir innerhalb weniger Monate eine über 90%ige Reduzierung der auffindbaren Fälschungen erreichen. Dieser administrative Weg ist oft schneller und kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren. Die Plattformen haben ein eigenes wirtschaftliches Interesse daran, ihren "Marketplace" sauber zu halten, und die Gesetze geben ihnen nun die Werkzeuge und die Verantwortung dazu.

Verbesserter Zugang zu vorläufigem Rechtsschutz

Ein wirksamer IP-Schutz lebt davon, dass Verletzungen nicht nur im Nachhinein geahndet, sondern möglichst im Keim erstickt werden können. Hier waren einst die Hürden für einstweilige Verfügungen (vorläufige Maßnahmen) in China extrem hoch. Der Rechteinhaber musste eine nahezu unwiderlegbare Beweislage schaffen und hohe Kautionen hinterlegen. Diese Praxis hat sich gewandelt. Die Gerichte sind heute gesetzlich verpflichtet, über Anträge auf einstweilige Maßnahmen zügig zu entscheiden, und die Anforderungen an den Nachweis eines "irreparablen Schadens" wurden pragmatischer ausgelegt.

Das bedeutet konkret: Bevor eine große Messe startet oder ein neues Produkt eines Wettbewerbers auf den Markt kommt, der mutmaßlich ein Patent verletzt, kann nun realistischer beantragt werden, den Verkauf oder die Ausstellung vorläufig zu untersagen. Diese Möglichkeit, schnell handeln zu können, ist von unschätzbarem strategischem Wert. Sie verhindert, dass sich ein Rechtsverstoß während eines langen Hauptverfahrens etabliert und möglicherweise irreversible Marktanteilsverluste verursacht.

In der Umsetzung erfordert dies jedoch eine exzellente Vorbereitung. Die Beweise für die Rechtsverletzung und die Dringlichkeit müssen wasserdicht und sofort vorlegbar sein. Hier kommt unsere Erfahrung in der Registrierungsabwicklung voll zum Tragen. Ein sauberes, vollständiges und gut dokumentiertes IP-Portfolio ist die Grundvoraussetzung. Wir arbeiten oft mit spezialisierten Anwälten zusammen, um solche Anträge "marschbereit" zu halten, sobald ein konkreter Verdacht auftaucht. Die gelockerte Praxis bei einstweiligen Verfügungen macht IP-Rechte in China zu einem viel schärferen und einsatzfähigen strategischen Instrument.

Internationale Verträge und lokale Umsetzung

Chinas Engagement in internationalen Abkommen wie der RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) und die Phase-1-Vereinbarung mit den USA haben direkte Auswirkungen auf die nationale Gesetzgebung und Rechtspraxis. Diese Verträge enthalten konkrete Verpflichtungen zur Stärkung des IP-Schutzes, etwa im Bereich des Schutzes von Geschäftsgeheimnissen, der Verlängerung von Patentlaufzeiten für Arzneimittel oder der Bekämpfung von bad-faith-Markenanmeldungen. Die chinesische Gesetzgebung hat viele dieser Verpflichtungen in den letzten Jahren zügig umgesetzt, etwa durch die Verschärfung des Gesetzes zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen.

Für ausländische Unternehmen ist dies ein doppelter Vorteil. Erstens schaffen die konkreten gesetzlichen Änderungen bessere Rahmenbedingungen. Zweitens – und das ist vielleicht ebenso wichtig – schaffen diese internationalen Verpflichtungen einen zusätzlichen politischen und diplomatischen Druck, die Gesetze auch in der Praxis konsequent anzuwenden. Die lokalen Behörden und Gerichte wissen, dass die Welt zuschaut. In meinen Gesprächen mit Beamten auf Provinzebene spürt man deutlich dieses gestiegene Bewusstsein für die internationale Dimension von IP-Themen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein europäischer Maschinenbauer hatte einen Fall von Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen durch einen ehemaligen Mitarbeiter. Unter dem alten Recht war die Beweisführung äußerst schwierig. Unter dem verschärften Gesetz konnten wir zusammen mit den Strafverfolgungsbehörden eine Strategie entwickeln, die den Fokus auf die unerlaubte Weitergabe und den Nachweis von Schutzmaßnahmen legte. Der Fall wurde nicht als einfacher Vertragsstreit, sondern als strafbare Wirtschaftsspionage behandelt. Diese Aufwertung des Themas Geschäftsgeheimnisse ist eine direkte Folge internationaler Verpflichtungen.

Herausforderungen in der Umsetzung und regionale Unterschiede

Trotz aller Fortschritte muss man mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Die Umsetzung der fortschrittlichen nationalen Gesetze variiert nach wie vor zwischen den prosperierenden Küstenregionen und einigen Binnenprovinzen. Während die spezialisierten Gerichte in Shanghai oder Shenzhen Maßstäbe setzen, kann die Expertise und Priorisierung von IP-Themen anderswo noch entwicklungsfähig sein. Auch die Kapazitäten und der Fokus der lokalen Verwaltungsbehörden für Marktregulierung (SAMR) sind nicht überall gleich.

Für uns Berater bedeutet das, dass wir keine "One-size-fits-all"-Strategie empfehlen können. Ein Teil unserer Arbeit ist es, diese regionalen Unterschiede genau zu kennen und die Durchsetzungsstrategie danach auszurichten. In einer Technologieregion mag eine Patentklage der richtige Weg sein; in einer Produktionsregion für Massengüter ist vielleicht die Zusammenarbeit mit der lokalen SAMR über administrative Beschlagnahmeaktionen effektiver. Die Kunst liegt darin, das richtige Werkzeug aus dem nun besser gefüllten Werkzeugkasten für den jeweiligen lokalen Kontext auszuwählen.

Eine weitere praktische Herausforderung bleibt die Vollstreckung von Urteilen, insbesondere wenn es um die Eintreibung von Schadensersatz von kleineren oder insolventen Rechtsverletzern geht. Hier sind die Fortschritte weniger einheitlich. Unser Ansatz ist daher immer, von vornherein strategisch auf solvente Zielparteien oder auf Maßnahmen abzuzielen, die den Geschäftsbetrieb des Verletzers unmittelbar stören (wie einstweilige Verfügungen oder Plattform-Sperren), anstatt sich ausschließlich auf eine spätere Geldeintreibung zu verlassen.

## Zusammenfassung und Ausblick

Die Analyse zeigt ein klares Bild: Der rechtliche Rahmen zum Schutz geistigen Eigentums in China für ausländische Unternehmen hat in den letzten fünf bis sieben Jahren eine qualitative Revolution durchlaufen. Von der Gesetzgebung über die Gerichtsstruktur bis hin zu den Sanktionsmöglichkeiten wurden systematisch Schwachstellen beseitigt und wirksame Durchsetzungsmechanismen geschaffen. Die Strafen sind abschreckender, die Schadensersatzsummen bedeutender, die Gerichte spezialisierter und die administrativen Wege effizienter geworden. Ausländische Unternehmen, die ihre IP-Rechte heute in China strategisch und professionell managen und durchsetzen, stehen auf einem fundamentally anderen und sichereren Fundament als noch vor einer Dekade.

Die verbleibenden Herausforderungen liegen weniger im Rechtstext als in der konsistenten Umsetzung across the board und in der praktischen Vollstre