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Einfluss des Handelskonflikts auf die chinesische Import-Export-Politik und Lösungsansätze für ausländische Unternehmen

# Einfluss des Handelskonflikts auf die chinesische Import-Export-Politik und Lösungsansätze für ausländische Unternehmen

Für uns Investoren, die den chinesischen Markt im Blick haben, sind die vergangenen Jahre eine Achterbahnfahrt gewesen. Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China hat nicht nur die Schlagzeilen dominiert, sondern tiefgreifende Spuren in der wirtschaftlichen Landschaft hinterlassen. Was als punktueller Streit um Handelsbilanzdefizite begann, entwickelte sich zu einem komplexen Geflecht aus Zöllen, Technologiebeschränkungen und geopolitischen Machtspielen. Für ausländische Unternehmen, die in China produzieren, von dort beziehen oder dorthin verkaufen, wurden langjährige Geschäftsmodelle plötzlich infrage gestellt. Die Regeln änderten sich quasi über Nacht. In meinen über 12 Jahren bei der Jiaxi Steuerberatung, in denen ich unzählige internationale Klienten durch die Tücken der chinesischen Bürokratie und Steuergesetze begleitet habe, war diese Phase eine der herausforderndsten – aber auch lehrreichsten. Dieser Artikel soll Ihnen nicht nur die theoretischen Auswirkungen darlegen, sondern vor allem praktische, erprobte Lösungsansätze aus der Perspektive eines erfahrenen Beraters an die Hand geben. Denn eines ist klar: Der Handelskonflikt ist kein vorübergehendes Gewitter, sondern hat das Klima für den Chinahandel dauerhaft verändert.

Strategische Neuausrichtung der Lieferketten

Einer der unmittelbarsten und spürbarsten Effekte der Zollerhöhungen war die massive Verunsicherung in globalen Lieferketten. Plötzlich machte es einen gewaltigen Kostenunterschied, ob ein Bauteil aus China kommend mit 25% Strafzoll belegt wurde oder nicht. Viele unserer Klienten, insbesondere mittelständische deutsche Maschinenbauer, standen vor dem Scherbenhaufen ihrer Kostenvoranschläge. Die Lösung war nicht einfach "raus aus China", sondern eine strategische Diversifizierung, das sogenannte "China+1"-Modell. Ich erinnere mich an einen Kunden, einen Automobilzulieferer aus Baden-Württemberg, dessen Hauptwerk in Shenzhen plötzlich unwirtschaftlich zu werden drohte. Gemeinsam analysierten wir nicht nur alternative Standorte wie Vietnam oder Malaysia, sondern prüften intensiv, welche Teile der Wertschöpfungskette unbedingt in China bleiben mussten – etwa wegen spezieller Fachkräfte oder einzigartiger Cluster – und welche verlagert werden konnten. Dieser Prozess der Lieferketten-Resilienz ist heute kein Nice-to-have mehr, sondern eine Überlebensfrage. Es geht darum, Flexibilität einzubauen, ohne die Effizienz vollständig zu opfern.

Die chinesische Politik hat auf diesen Trend reagiert, indem sie einerseits versucht, hochwertige Fertigung mit Anreizen im Land zu halten, und andererseits die eigene Abhängigkeit von ausländischen Technologien und Rohstoffen reduziert. Für ausländische Unternehmen bedeutet das: Eine reine Exit-Strategie ist oft kurzsichtig. Besser ist eine durchdachte Regionalisierung. Ein Ansatz, den wir häufig empfehlen, ist die Aufspaltung der Produktion: Hochautomatisierte, wertintensive Fertigung für den globalen Markt bleibt vielleicht in China, während arbeitsintensive Massenproduktion für Märkte, die von den Handelskonflikten betroffen sind, in Drittländer verlagert wird. Diese Dual-Strategy erfordert zwar mehr Managementaufwand, schützt aber langfristig vor weiteren geopolitischen Schocks. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die frühzeitig in diese Analyse investiert haben, heute deutlich agiler auf neue Handelshemmnisse reagieren können.

Anpassung der Zollklassifizierung und Ursprungserklärung

Ein oft unterschätztes, aber extrem wirkungsvolles Feld im Zollkrieg ist die korrekte und strategische Warenklassifizierung. Jede kleine Änderung im Tarifcode kann über Zollsatz oder sogar über die Anwendbarkeit von Strafzöllen entscheiden. In der Praxis habe ich erlebt, wie durch eine präzisere technische Beschreibung und eine Neubewertung der wesentlichen Herstellungsschritte plötzlich ein anderer, günstigerer Zolltarif anwendbar wurde. Das ist keine Grauzone, sondern die konsequente Auslegung oft komplexer und mehrdeutiger Regeln. Ein Klient aus der Medizintechnik-Branche stand vor dem Problem, dass sein in China montiertes Gerät als "chinesische Ware" mit Strafzoll belegt werden sollte. Durch den Nachweis, dass der wesentliche technologische und wertmäßige Ursprung (das "Herzstück") aus der EU stammte und die chinesische Montage nur einen geringen Prozentsatz ausmachte, konnten wir eine Präferenzursprungsbescheinigung für die EU erwirken. Das sparte satte 15% Zoll.

Hier kommt die präzise Dokumentation und transparente Lieferkette ins Spiel. Die Zeiten, in denen man sich auf pauschale Lieferantenerklärungen verlassen konnte, sind vorbei. Die Zollbehörden, sowohl in China als auch im Zielland, prüfen die Ursprungskriterien heute mit Argusaugen. Ausländische Unternehmen müssen ihre Lieferketten bis zum Rohstoff zurückverfolgen können. Meine Empfehlung ist immer: Investieren Sie in ein robustes Ursprungsmanagement. Schulen Sie Ihre Einkäufer und Logistiker. Oft lohnt sich sogar ein Audit bei kritischen Zulieferern, um die Herkunft der Vorprodukte zweifelsfrei zu klären. Diese administrative Arbeit mag mühsam erscheinen, aber sie ist eine der effektivsten Versicherungen gegen unkalkulierbare Zollrisiken.

Nutzung von Sonderwirtschaftszonen und Bonded Areas

Viele Unternehmen übersehen die machtvollen Instrumente, die China selbst bereitstellt, um Handelsbarrieren zu umschiffen. Sonderwirtschaftszonen, Bonded Logistics Parks und Free Trade Zones (FTZs) sind nicht nur Relikte der Öffnungspolitik, sondern haben eine Renaissance als strategische Tools im Handelskonflikt erlebt. Innerhalb dieser Zonen gelten besondere Zoll- und Steuerregime. Ware kann hier gelagert, veredelt, montiert und sogar wieder exportiert werden, ohne dass chinesische Importzölle anfallen. Das eröffnet faszinierende Möglichkeiten. Ein praktisches Beispiel aus meiner Arbeit: Ein europäischer Konsumgüterhersteller importierte Komponenten aus verschiedenen asiatischen Ländern nach China, um sie dort für den globalen Markt zu montieren. Durch die Verlagerung der Montagelinie in eine Bonded Zone in Shanghai konnte er die Komponenten zollfrei einführen, montieren und das fertige Produkt direkt wieder exportieren – die chinesischen Importzölle auf die Komponenten fielen komplett weg.

Einfluss des Handelskonflikts auf die chinesische Import-Export-Politik und Lösungsansätze für ausländische Unternehmen

Für Unternehmen, die China als Exportplattform für Drittmärkte nutzen wollen, sind diese Zonen ein Game-Changer. Sie erlauben es, die Kostenvorteile und Fertigungskapazitäten Chinas zu nutzen, ohne durch die hohen Zölle belastet zu werden, die für den direkten Export in Märkte wie die USA anfallen. Allerdings ist die Einrichtung und der Betrieb in einer solchen Zone mit zusätzlicher Bürokratie und spezifischen Reporting-Pflichten verbunden. Hier zahlt sich professionelle Beratung aus, um die Compliance sicherzustellen und die Vorteile voll auszuschöpfen. Es ist kein Allheilmittel, aber ein äußerst wertvolles Werkzeug in der strategischen Werkzeugkiste.

Fokus auf den Binnenmarkt und "Dual Circulation"

Die chinesische Regierung hat als direkte Antwort auf die externen Schocks die Strategie der "Dual Circulation" (doppelte Kreisläufe) ausgerufen. Der Kern: Die Abhängigkeit vom externen Markt (internationale Zirkulation) soll verringert und der Binnenmarkt (innere Zirkulation) gestärkt werden. Das klingt zunächst bedrohlich für Auslandskonzerne, ist aber auch eine große Chance. Die Politik fördert aktiv den Konsum und den Ausbau heimischer Technologieführerschaft. Für ausländische Unternehmen bedeutet das eine klare Aufforderung: "Local for Local". Wer erfolgreich sein will, muss Produkte und Services entwickeln, die spezifisch auf die Bedürfnisse chinesischer Konsumenten zugeschnitten sind, und idealerweise einen großen Teil der Wertschöpfung lokal erbringen.

Ein Klassiker aus meiner Praxis: Ein deutscher Hersteller von Haushaltsgeräten hatte immer eine "Global Product Line", die auch in China verkauft wurde. Unter dem Druck des Handelskonflikts und der wachsenden Konkurrenz lokaler Champions entschied man sich, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Suzhou auszubauen. Die dort entwickelten, auf chinesische Küchengewohnheiten und Smart-Home-Ökosysteme (wie Alipay, WeChat) optimierten Geräte wurden ein Riesenerfolg. Die Lokalisierung ging über reine Anpassungen hinaus und umfasste auch Partnerschaften mit lokalen Vertriebsplattformen und die Nutzung chinesischer Cloud-Dienste. Der Handelskonflikt beschleunigte diese ohnehin fällige strategische Wende. Unternehmen, die China weiterhin nur als Billigproduktionsstandort sehen, werden langfristig das Nachsehen haben. Die Zukunft gehört denen, die den chinesischen Markt ernst nehmen und in lokale Präsenz, Entwicklung und Partnerschaften investieren.

Rechtliche Absicherung und Vertragsgestaltung

In unsicheren Zeiten wird die Qualität der vertraglichen Absicherung zum entscheidenden Faktor. Die Standard-Kaufverträge nach INCOTERMS reichen bei weitem nicht mehr aus. Plötzliche Zollerhöhungen, Exportkontrollen oder Lieferverzögerungen aufgrund von behördlichen Überprüfungen können existenzbedrohend sein. Wer trägt das Risiko? In meiner Beratungstätigkeit hat sich gezeigt, dass viele alte Verträge hier völlig unzureichend sind. Wir mussten für mehrere Klienten in hektischen Nachverhandlungen Force-Majeure-Klauseln erweitern, um "handelspolitische Maßnahmen" explizit mit aufzunehmen, und Preisgleitklauseln einführen, die Zolländerungen ab einem bestimmten Schwellenwert zwischen Käufer und Verkäufer aufteilen.

Ein konkretes, lehrreiches Beispiel: Ein mittelständischer Importeur von Spezialstahl aus Deutschland hatte einen Langzeitvertrag mit einem chinesischen Stahlwerk zu einem Fixpreis. Als die US-Strafzölle auf chinesischen Stahl in Kraft traten, wollte der chinesische Lieferant den Preis nicht mehr halten, da sein Markt plötzlich einbrach und er auf andere Absatzmärkte ausweichen musste. Der deutsche Importeur hatte keine Handhabe, da der Vertrag keine Anpassungsmechanismen für solche makroökonomischen Schocks vorsah. Die Folge war ein langwieriger und teurer Rechtsstreit. Die Lehre daraus: Verträge müssen heute dynamisch und risikoteilend sein. Sie sollten regelmäßig – am besten jährlich – auf ihre Tauglichkeit in einem volatilen Handelsumfeld überprüft werden. Dazu gehört auch die Wahl des Gerichtsstands und des anwendbaren Rechts. Viele Unternehmen bevorzugen nun Schiedsgerichtsvereinbarungen in neutralen Drittstaaten wie Singapur, um im Streitfall nicht in die Mühlen eines der Konfliktparteien zu geraten.

Diversifikation der Beschaffungs- und Absatzmärkte

Die vielleicht grundlegendste Strategie ist die Diversifikation. Der Handelskonflikt hat schmerzhaft die Gefahren einer zu starken Fokussierung auf einen einzigen Beschaffungs- oder Absatzmarkt aufgezeigt. Für ausländische Unternehmen bedeutet das, aktiv nach Alternativen zu China zu suchen – sowohl als Lieferant als auch als Kunde. Das ist leichter gesagt als getan, denn Chinas Fertigungstiefe und Infrastruktur sind oft unschlagbar. Dennoch sehen wir einen klaren Trend. Die ASEAN-Staaten, Indien, Mexiko und sogar osteuropäische Länder profitieren von dieser Verlagerung. Es geht nicht darum, China komplett zu ersetzen, sondern ein zweites Standbein aufzubauen.

Ein persönliches Erlebnis: Ein Klient aus der Elektronikbranche, der zu 80% von einem Cluster in Guangdong abhängig war, startete ein Pilotprojekt in Thailand. Die Anfänge waren holprig – geringere Produktivität, Qualitätsschwankungen, kompliziertere Logistik. Aber das Management blieb dran. Heute, drei Jahre später, liefert das thailändische Werk etwa 30% des Volumens und ist vor allem für Aufträge aus Nordamerika zuständig. Diese strategische Diversifikation gibt dem Unternehmen enorme Verhandlungsmacht und schützt es vor Betriebsunterbrechungen. Parallel dazu sollte auch die Suche nach neuen Absatzmärkten forciert werden. Chinas Nachbarländer in Asien, der Nahe Osten und Afrika bieten enormes Wachstumspotenzial. Unternehmen, die ihre Exportförderung und Marktforschung auf diese Regionen ausweiten, machen sich unabhängiger von den Launen des sino-amerikanischen Verhältnisses.

Intensivierung von Government Relations und Branchenverbänden

In einem zunehmend von staatlicher Politik gesteuerten Handelsumfeld gewinnen gute Beziehungen zu den Behörden und eine starke Stimme in Branchenverbänden an Bedeutung. Viele ausländische Unternehmen haben dies lange vernachlässigt und sich rein auf ihr operatives Geschäft konzentriert. Doch wer frühzeitig von regulatorischen Änderungen erfährt, wer seine spezifischen Herausforderungen in offiziellen Kanälen vorbringen kann, hat einen deutlichen Vorteil. Die europäischen Handelskammern in China (EUCCC, AHK) leisten hier hervorragende Arbeit, indem sie gemeinsame Positionen erarbeiten und im Dialog mit chinesischen Ministerien vertreten.

Aus meiner Sicht ist es klug, hier Ressourcen zu investieren. Das bedeutet nicht Korruption, sondern professionelles Stakeholder-Management. Ein Beispiel: Als die ersten Diskussionen über Exportkontrollen für bestimmte Seltene Erden aufkamen, waren Unternehmen, die in den entsprechenden Fachausschüssen der Handelskammer aktiv waren, frühzeitig informiert und konnten ihre Lagerbestände entsprechend anpassen oder alternative Bezugsquellen suchen. Andere, die nicht vernetzt waren, wurden kalt erwischt. Transparenz und Dialog sind der beste Schutz vor bösen Überraschungen. Zudem können Verbände bei konkreten Problemen helfen, etwa wenn Waren ohne nachvollziehbaren Grund an der Grenze festhängen. Ein Anruf der offiziellen Handelskammer bei der zuständigen Behörde wirkt oft Wunder. Diese "weiche" Komponente der Geschäftsstrategie wird in der Ära des Handelskonflikts zu einer harten Notwendigkeit.

## Zusammenfassung und Ausblick

Der Handelskonflikt hat die Spielregeln für den Chinahandel fundamental verändert. Er ist kein temporäres Problem, sondern ein struktureller Wendepunkt. Wie wir gesehen haben, sind die Auswirkungen auf die chinesische Import-Export-Politik vielfältig: Sie reichen von der Förderung der "Dual Circulation" über die Nutzung von Sonderzonen bis hin zu verschärften Ursprungsregeln. Für ausländische Unternehmen gibt es keinen einfachen Königsweg, sondern ein Bündel strategischer Antworten. Die Kernbotschaft lautet: Agilität, Diversifizierung und Vertiefung der lokalen Präsenz. Wer weiterhin nach dem Schema "Business as usual" operiert, wird zunehmend unter Druck geraten.

Die Lösungsansätze – von der Lieferketten-Neuausrichtung über smartes Zollmanagement bis hin zur vertraglichen Absicherung – erfordern Investitionen und Expertise. Doch sie sind essenziell, um nicht nur zu überleben, sondern in der neuen Handelslandschaft zu prosperieren. Meine persönliche Einschätzung nach über einem Jahrzehnt in der Beratung ist: Die Unternehmen, die den Handelskonflikt als Weckruf verstanden und ihre China-Strategie grundlegend hinterfragt und angepasst haben, sind heute stärker und resilienter aufgestellt als je zuvor. Sie haben gelernt, mit Komplexität umzugehen und sich von kurzfristigen politischen Schocks nicht aus der Bahn werfen zu